Termine

Nov
12
Di
Antirassismus als Weltanschauung – eine Kritik @ Hörsaalgebäude Marburg
Nov 12 um 19:00 – 22:00

Antirassistische Theoriebildung sollte den Anspruch haben, ein ebenso verbreitetes wie vielgestaltiges Herrschaftsphänomen zu analysieren und Möglichkeiten seiner Abschaffung aufzuzeigen. Es stellt sich – und zwar bei führenden Vertreterinnen und Vertretern des Antirassismus weltweit – allerdings heraus, dass Antirassismus zur Weltanschauung mutiert ist, die partiell gültige Aussagen unzulässig verallgemeinert, empirische Analysen durch starre Theorieschablonen ersetzt, inkonsistente, machtreduktionistische und kulturrelativistische Erkenntnistheorien zugrunde legt und über weite Strecken von volkspädagogischen Absichten und politischen Ressentiments geleitet wird. So gehören vor allem die Dethematisierung des politischen Islams und die antizionistische Agitation gegen Israel inzwischen zum guten Ton vieler antirassistischer Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Aktivistinnen und Aktivisten.
Der Vortrag gibt einen Überblick über Faktoren, die das wichtige Anliegen einer Analyse rassistischer Herrschaftsmechanismen in eine starre Weltanschauung verwandelt haben.

Dr. Ingo Elbe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Privatdozent an der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg. Letzte Publikationen u.a.: Paradigmen anonymer Herrschaft. Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt. Würzburg 2015; „Die postmoderne Querfront. Anmerkungen zu Chantal Mouffes Theorie des Politischen.“ In: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 12/2018. Alphabet und Antisemitismus. Rezension zu Michael Blume, Warum der Antisemitismus uns alle bedroht. In: mena-watch. Der unabhängige Nahost-Thinktank, 17.05.2019. Als Mitherausgeber: Zeitschrift für kritische Sozialtheorie und Philosophie. Band 5, Heft 1/2018: Schwerpunkt: Antirassismus und Antiimperialismus. Online-Texte unter: www.rote-ruhr-uni.com

Ort: Raum +1/0120 Hörsaalgebäude Biegenstraße 10

Veranstalter*innen: SJ – Die Falken Marburg; Linke Fachschaft 03; Bündnis gegen Antisemitismus

 

Nov
19
Di
Globaler Antisemitismus: Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne @ Jüdische Gemeinde Marburg
Nov 19 um 19:30 – 21:00

Globaler Antisemitismus – Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne

Politische Reihe: Vortrags- und Diskussionsabend
Termin: Dienstag 19. November 2019, 19:30 Uhr
Referent: Prof. Dr. Samuel Salzborn, Berlin/Gießen
Moderation: Jochen Schmidt, hr
Ort: Synagoge, Liebigstraße 21a

Seit den islamistischen Terroranschlägen von 9/11 ist weltweit eine Ausweitung und Radikalisierung von Antisemitismus festzustellen – jenseits alter Abgrenzungen zwischen den politischen Spektren. Antisemitismus ist zur globalen Integrationsideologie von Islamisten, Neonazis, Globalisierungsfeinden und Antiimperialisten geworden. Deren Hauptfeindbild heute: Israel. Samuel Salzborn analysiert diese Entwicklung, ihre historischen und theoretischen Hintergründe und plädiert für einen neuen Universalismus, der zur Grundlage für eine erfolgreiche Bekämpfung von Antisemitismus weltweit werden kann.

Prof. Dr. Samuel Salzborn ist Gastprofessor für Antisemitismusforschung am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und apl. Professor für Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen. Senior Fellow am Centre for Analysis of the Radical Right (CARR). Geb. 1977 in Hannover, Studium der Politikwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Rechtswissenschaft (Uni Hannover), Promotion (Uni Köln) und Habilitation (Uni Gießen) in Politikwissenschaft.
Leiter einer Nachwuchsforschungsgruppe zum NSU-Prozess (gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung) und eines Forschungsprojektes zur “Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands im Nationalsozialismus” (gefördert von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung).
Im Dezember 2015 ausgezeichnet mit dem Preis der Stiftungsrates der Uni Göttingen in der Kategorie “Wissenschaft und Öffentlichkeit” für den “vorbildlichen Transfer aktueller wissenschaftlicher Themen in eine breite Öffentlichkeit”.

Nov
22
Fr
Vortrag: Die aktuelle Lage in Rojava / Nordsyrien @ Hörsaalgebäude, Biegenstraße 14, Raum 00 / 0020
Nov 22 um 18:00

Mit dem hessischen Arzt und Umweltaktivist Dr. Michael Wilk

Der Arzt und Psychotherapeut Dr. Michael Wilk reist seit 2014 regelmäßig nach Rojava (Nordsyrien) und unterstützt dort die Hilfsorganisation Heyva Sor a Kurd (Kurdischer Roter Halbmond). Zuletzt war er im Oktober diesen Jahres zusammen mit einer Ärzte-Delegation vor Ort und arbeitete notfallmedizinisch im frontnahen Legerin Krankenhaus in Tal Tamir. Im Vortrag gibt er Einblicke in die aktuelle Situation nach der türkischen Invasion, der basisdemokratischen Selbstverwaltung, in die medizinische Versorgung vor Ort und ordnet die Geschehnisse in die politische Entwicklung ein.

Organisiert und unterstützt von:

Aktionsbündnis Rojava

Kritische Psychologie Marburg

KritMed Marburg

Nov
26
Di
Dennis Schnittler: Negrophobie @ Hörsaalgebäude Marburg
Nov 26 um 19:00 – 22:00

Negrophobie.
Grundsätzliches zum Rassismus gegen schwarze Menschen

Vortrag und Diskussion mit Dennis Schnittler

Die stereotypen Ressentiments, die viele weiße Menschen gegen schwarze Menschen hegen und das Phänomen des anhaltenden, weit verbreiteten Rassismus überhaupt werden heutzutage primär soziologisch und psychologisch gedeutet. In den Vorstellungen, auch linker Antirassistinnen und Antirassisten, erscheint der Rassismus immer wieder als eine Art ‚toxischer Volksglaube’, als bloße Herrschaftsideologie, die mit engagierter Aufklärung und staatlichen Antidiskriminierungsmaßnahmen aus der Welt geschafft werden könnte. Dass dies so nicht funktionieren kann, zeigen die diversen, rassistisch motivierten Angriffe, z.B. gegen geflüchtete Menschen. Es reicht jedoch nicht aus, die traurige Don Quijoterie vieler bürgerlich-antirassistischer und linksradikaler Kampagnen zu bejammern und den mangelhaften Interpretationen des Phänomens zu widersprechen. Was zu bewerkstelligen wäre, ist zuvorderst eine materialistische und historische Untersuchung des negrophoben, bzw. rassistischen Syndroms, das über alle gesellschaftlichen Entwicklungen hinweg, in allen „zivilisierten“ Ländern des Westens, mindestens in den letzten 150 Jahren, in seinem Charakter weitgehend gleich geblieben ist.

Dabei sind zwei Fragen zentral:

1. Warum hat der Rassismus gegen Schwarze seine grundsätzlichen Wesenszüge beibehalten, obwohl sich die kapitalistische Gesellschaft immer wieder verändert hat und Schwarze inzwischen alle Rechte innehaben und nahezu alle Bastionen erobert haben, die zuvor häufig nur Weißen vorbehalten blieben?

2. Aus was besteht der gesellschaftliche Nährboden, aus dem sich die rassistisch-stereotypen Denkweisen speisen, die sich immer wieder (v.A. in Zeiten der persönlich erlebten, gesellschaftlichen Krise) zum mörderischen Hass aufpeitschen?

Dennis Schnittler ist Autor gesellschaftskritischer Texte und Vorträge. Er unterhält den Blog Marias First: https://mariasfirst.wordpress.com/. Zuletzt beschäftigte er sich mit Verschwörungstheorien. Der Vortrag umfasst einen ökonomischen, einen psychoanalytischen und einen politischen Teil und dauert circa 90 Minuten.

Ort: Raum +1/0030 Hörsaalgebäude Biegenstraße 10

Triggerwarnung/FSK: Der Vortrag enthält die Darstellung drastischer rassistischer und sexueller Gewalt und die Nennung diverser rassistischer Begriffe in Wort und Bild und ist deswegen nur für erwachsene Menschen ab dem 18. Lebensjahr geeignet.

Veranstalter*innen: SJ – Die Falken Marburg; Linke Fachschaft 03; Bündnis gegen Antisemitismus

Nov
30
Sa
Die politische Linke und die Konjunktur des Antisemitismus @ Netzwerkbüro (Am Plan 3)
Nov 30 um 10:00 – Dez 1 um 14:00

Die politische Linke und die Konjunktur des antisemitischen Ressentiments – Das Verhältnis von Subversion, Musik- und Jugendkultur zum Modernen Antisemitismus

Seit der „Affäre“ um die Verleihung des Echo-Musikpreises an Kollegah und Farid Bang spielt ein in der populären Musik und insbesondere in deutscher Jugendkultur propagierter Antisemitismus eine vermeintlich stärkere Rolle in der Öffentlichkeit. Die anschließende „Skandalisierung“ der Preisvergabe führte zwar zu einer publikumswirksamen Diskussion um Antisemitismus in der zeitgenössischen populären Musik, dem antisemitischen Ressentiment in seiner geschichtlichen und gesellschaftlichen Genese sowie den Bedingungen seiner Reproduktion wurde allerdings kaum nachgegangen. Der Workshop wird dementsprechend den Ansatz verfolgen, die in (deutscher) Jugendkultur bis heute ausgebildeten antisemitischen Ressentiments in ihrer Geschichte und ihrem gesellschaftlichen Kontext durchzuarbeiten. Im Workshop wird dabei zuerst der Entstehungskontext sowohl des Modernen Antisemitismus als auch “linker” bzw. „subversiver“ Politik im 19. Jahrhundert betrachtet. Dabei wird angenommen, dass heutige Jugendkultur sowie die in ihr propagierten antisemitischen Narrative bloß im Zusammenhang mit der historischen Herausbildung von Jugendbewegungen und ihrem Verhältnis zu Subversion, linker Politik (als auch zu reaktionären, sowie eskapistischen Aktionsmustern) sowie zu der Krise der modernen Gesellschaft begriffen werden können. Im zweiten Schritt sollen dann die verschiedenen Zeichen und Narrative von Subversion, Widerstand und Antikapitalismus in Musikkultur mit einem Wissen über die historische Entwicklung dieser vermeintlich anti-hegemonialen Bewegungen konfrontiert werden, um die Genese von dem heute in Jugend- und Musikkultur virulenten Antisemitismus zu verstehen.

Der Workshop findet an zwei vollen Tagen an einem Wochenende statt und wird durch eine Kombination von vorbereiteten Inputs durch die Referentinnen, Close-Readings theoretischer Texte sowie gemeinsamer Analyse von Zeitdokumenten gestaltet.
Luise Henckel und Kolja Huth studieren in Frankfurt bzw. Lüneburg und beschäftigen sich inner- als auch außeruniversitär mit Antisemitismus, Kritischer Theorie und der Geschichte linker Politik.

Der Workshop findet in den Räumen des Netzwerkbüros (Am Plan 3) statt. Am Samstag den 30.11. beginnen wir um 10 Uhr und enden gegen 18 Uhr. Eine Mittagspause sowie andere Pausen sind eingeplant. Am Sonntag beginnen wir um 10 Uhr und wollen gegen 14 Uhr fertig sein.

Die Veranstaltung wird organisiert vom Bündnis gegen Antisemitismus Marburg in Kooperation mit der SJ – Die Falken Marburg. Sie findet in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung im Rahmen der Aktionswochen gegen Antisemitismus statt.

Dez
4
Mi
Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus @ Jüdische Gemeinde Marburg
Dez 4 um 19:30 – 21:00

Jüdische Perspektiven auf Antisemitismus – Erkenntnisse aus den neueren Forschungen zum Antisemitismus im Alltag und in den Institutionen

Politische Reihe: Vortrags- und Diskussionsabend
Termin: Mittwoch 4. Dezember 2019, 19:30 Uhr
Referentin: Prof. Dr. Julia Bernstein, Frankfurt
Moderation: Jochen Schmidt, hr
Ort: Synagoge, Liebigstraße 21a

Im Vortrag von Prof. Dr. Julia Bernstein werden die Befunde aus den neueren Forschungen im Bereich Antisemitismus präsentiert. Besonderer Wert wird auf die Perspektiven der Betroffenen auf Antisemitismus im Alltag und im schulischen Bereich gelegt. Darüber hinaus werden die ersten Erkenntnisse in Bezug auf die Rezeption des Antisemitismus bei den Lehrkräften im Schulsystem dargestellt und interpretiert. Folgende Fragen werden unter anderem im Vortrag behandelt: Wie kommt es, dass 74 Jahre nach dem Holocaust das Schimpfwort „Du Jude“ das am meisten verbreitete Schimpfwort auf dem deutschen Schulhof geworden? Wie schlimm ist das Problem und aus welchen Komponenten besteht es? Wie wird Rassismus gegen Antisemitismus ausgespielt? Welche Stereotypen sind importiert und welche hausgemacht? Was ist der Unterschied zwischen einer legitimen Kritik an israelischem Regierungshandeln und Antisemitismus?

Prof. Dr. Julia Bernstein ist Professorin für soziale Ungleichheiten und Diskriminierungserfahrungen im Fach Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeiten und Rassismen in den Institutionen, visuellen Medien und im Alltag, Migrationsprozesse durch Transnationalisierungsperspektiven, Interkulturalitätsfragen, Migrationsprozess russischsprachiger Juden in Israel und Deutschland, Jüdische Identität im gesellschaftlichen Wandel, Stereotypisierungs- und Ethnisierungsprozesse. In ihrer Arbeit kombiniert sie qualitative Forschungsmethoden (Ethnographie und Biographieforschung) mit alternativen Kunstmedien.